FVBUSICOULOUR 15
Einen unerwarteten Ansturm von Bürgern aus Kallinchen, Schöneiche, Wünsdorf und Töpchin PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Barbara Kaulen   
Montag, 04. Oktober 2010 um 14:49

erlebte der Alte Krug in Kallinchen am letzten Freitag, dem 01.10.2010 um 18.00 Uhr zur angekündigten Podiumsdiskussion "Regionalplan 2020 Ausweisung von Windeignungsgebieten Chance oder Risiko für unsere Region?" Anlass für diese Diskussion war der geplante Windpark auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wünsdorf und die Veranstaltung wurde organisiert vom Heimatverein Kallinchen e.V. und dem Ortsbeirat Kallinchen . Entgegen der vorherigen Ankündigung auf dieser Seite gab es erfreulicherweise doch einen Teilnehmer innerhalb des Podiums, der den geplanten Windpark nicht befürwortet, der Mitinitiator der neu gegründete Bürgerinitiave "Initiative gegen Windkraft in Kallinchen, Herr Ulrich Wolter aus Kallinchen.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung standen die Bürger Schlange, um noch in den überfüllten Saal zu gelangen, wo bereits ca. 200 Leute anwesend waren, die Hälfte davon musste mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Auch der Nebenraum und der Gastraum waren gut gefüllt, etliche mussten draußen bleiben. Im Außenbereich wurde die Kallinchener Bürgerinitiative von der Volksinitiative Windrad mit Plakaten, Transparenten und Infomaterial unterstützt.

Durch den Abend führte die Vorsitzende des Heimatvereines Kallinchen Frau Friedrich. Die Gäste des Podiums stellten sich und ihre Beweggründe für und gegen einen Windpark nochmals zusammenfassend vor. Dies soll hier nicht wiederholt werden, diesbezüglich wird auf die verschiedenen Beiträge der Verfasserin auf dieser Seite verwiesen.

Erwähnenswert sind noch die planerischen Änderungen: statt 34 Windkraftanlagen (WKA) sind "nur" noch insgesamt 30 WKA mit strahlenförmiger Ausrichtung geplant. Grund für die Reduzierung ist eine Auflage des BBI, da bei der ursprünglichen Planung das Radarblickfeld gestört würde. In der Gemarkung Kallinchen sollen somit 8 WKA, in der Gemarkung Schöneiche 8 WKA, in der Gemarkung Wünsdorf 12 WKA und in der Gemarkung Töpchin 2 WKA errichtet werden.

Nachdem Herr von Oldenburg als Haupteigentümer der Waldflächen bzw. sein Adlatus Herr Mylius erneut ihre ambitionierten Pläne zum Umbau des vorhandenen „artenarmen Kiefernwaldes“ zu einem „artenreichen Laubmischwald“ vorgetragen hatten und Frau Libotte von der Planungsfirma Ökotec den vorgeblichen Bestand nochmals (wie auch schon auf den vorherigen Ortsbeiratssitzungen) bekräftigt hatte, haben sowohl Herr Wolter von der BI als auch Frau Dr. Gisela Deckert (Zoologin und Ornithologin aus Schöneiche, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 2010) unter dem Beifall der anwesenden Bürger dargelegt, dass dies nicht der Realität entspricht. Der betreffende Wald sei im Gegenteil sehr artenreich, insbesondere in Bezug auf die Fauna (Wespenbussard, Fischadler, Seeadler Brutgebiete; Nahrungsraum für Kraniche usw.).

Oberforsträtin Britta Lolk, die dienstlich im Auftrag des Landesforstamtes anwesend war, bestätigte die vorgenannten Aussagen der Bürger. Auf dem Eichberg (namensgebend sind die dort wachsenden Eichen) befindet sich der Polizeifunkmast, der auch die Kamera des Waldbrandfrühwarnsystems Fire-Watch beherbergt. Diese Kamera befände sich bei Realisierung des Projektes dann auf Höhe der WKA. Somit kann das gesamte Gebiet, welches der höchsten Waldbrandgefahrenklasse A1 zuzuordnen ist, dann nicht mehr überwacht werden. Weiterhin ist ein Großteil des Waldes seit 1992 in der Waldfunktionskartierung als Erholungswald (inklusive Pufferzonen) eingestuft. Frau Libotte warf sofort ein, dass dies kein Restriktionskriterium sei und der Rest Wirtschaftswald sei.

Frau Libotte führte nochmals aus, dass alle Richtwerte (bis 40/45 dbA) bzgl. der zu erwartenden Geräuschbelästigung eingehalten werden. Herr Hausmann vom Kletterwald Kallinchen outete sich als Diplom-Ingenieur und erklärte, dass die TA Lärm ungeeignet für die Messung ist, da sie niederfrequenten Schall respektive Infraschall nicht berücksichtige. Gerade aber der niederfrequente Schall ist zusammen mit Schattenschlag und nächtlicher Befeuerung ursächlich für das Windturbinensyndrom. Überdies wirken Häuser bei zu geringem Abstand, und 1.000 m sind zu gering, als Resonanzkörper. Nach einigen Diskussionen räumte Frau Libotte ein, dass es niederfrequenten Schall wohl gäbe, dieser aber nicht nachgewiesen gesundheitsgefährdend sei und bei der immissionschutzrechtlichen Genehmigung nicht berücksichtigt wird.

Ein anwesender Mediziner konfrontierte Frau Libotte damit, dass die ihm von ihr auf Anfrage übersandten Unterlagen aus dem Jahr 1982 stammen und möglicherweise veraltet sind. Nach einigem Hin und Her gab sie es zu, äußerte sich aber nicht weiter zu möglichen gesundheitlichen Schäden durch die WKA. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall können bei empfindlichen Menschen auch noch in 3 km Entfernung entstehen. Die BI hatte diesbezüglich in den vergangenen Wochen Bürger in betroffenen Gebieten im südlichen Brandenburg befragt und berichtete darüber. Die Befragung ergab ausschließlich negative Beeinträchtigungen durch die WKA.

Der ebenfalls anwesende Bürgermeister von Golzow und ein Bürger von Golzow appellierten nachdrücklich an die Bürger und Gemeindevertreter, sich genau über die Nachteile zu informieren und keinesfalls von den Windparkplanern unter Druck setzen zu lassen.

Die Waldflächen, die für die Errichtung der WKA gerodet werden müssten, wurden seitens der Windkraftbefürworter und –gegner unterschiedlich niedrig bzw. hoch angegeben (Anm. nachzulesen hier: http://www.burgenland.at/media/file/1437_WKA_Kittsee.pdf , es handelt sich um die Transport-, Straßen- und Krananforderungen von Enercon für die E-82, die geplante E-101 ist die Weiterentwicklung mit einem größeren Rotor-Durchmesser). Weiterhin sprach die BI noch die derzeitige Netzsituation an, die für die Vielzahl der geplanten WKA derzeit nicht ausreichend ist. Es sei daher nicht sinnvoll, den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen, abgesehen davon, dass für den Netzausbau weitere Flächen benötigt werden.

Der Ortsvorsteher von Kallinchen Herr Schulz führte nochmals an, dass Tourismus und Windkraft sich nicht ausschließen würden, da z.B. Fehmarn-Urlauber die Windräder positiv bewerten würden. Dies ist zu bezweifeln, da die Touristen, die nach Kallinchen kommen, eben nicht mit den Fehmarn-Touristen vergleichbar sind. In Kallinchen finden sich hauptsächlich Besitzer von Ferienhäusern und Datschen oder Tages-, Wochenend- oder Campingtouristen aus dem nahe gelegenen Berlin und Umgebung, die gemäß der Kallinchener Hymne unberührte Natur mit Wald und Wasser suchen. Windkraftanlagen gehören definitiv nicht dazu.

Wenn man von der Diskussion über Sinn und Unsinn von Windkraftanlagen absieht, gehören diese Industrieanlagen nicht in den Wald und schon gar nicht in den Wald bei Kallinchen. Die Errichtung eines Windparkes in dem betreffenden Gebiet ist sowohl für die zukünftige demographische als auch touristische Entwicklung kontraproduktiv, zusätzlich zu den Beeinträchtigungen von Natur und Gesundheit. Geradezu paradox mutet es an, wenn die angebliche CO2-Einsparung ins Feld geführt wird, indem man Wald als CO2-Speicher und –wandler abholzt. Absurd wird es, wenn man an den Bau der Verdichterstation für die Opal-Trasse in Baruth in diesem Jahr denkt. Hier werden zukünftig fröhlich ca. 535.000 t CO2/Jahr in die Luft geblasen, 486 t Stickoxide/Jahr in einem Immissionsradius von 15 km und bei einem Wirkungsgrad von ca. 30% 1,8 Terrawatt Wärme vergeudet. Dass Herr Knauer von der Regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming sich angesichts dessen nicht lächerlich vorkam, als er an das kollektive ökologische Gewissen appellierte und seine Überzeugung kundtat, dass wir alle auf Grund der derzeitigen CO2-Produktion mitschuldig am Klimawandel sind, der sich nicht zuletzt durch die aktuellen Hochwasser manifestieren würde, ist schon verwunderlich. Auf die Frage eines Akademikers aus dem Publikum, ob dieses Horror-Szenario denn wissenschaftlich bewiesen sei, verneinte er dies kleinlaut, konstatierte aber: „das liegt doch nahe“!

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Veranstaltung ein überragender Erfolg für die Bürgerinitiative und die Windkraftgegner war, die sachlich fundiert und unter großem Beifall des Publikums die zu erwartenden Nachteile und Beeinträchtigungen des geplanten Windparkes dargelegt haben. Diese konnten von den offensichtlich stark unter Druck geratenen Windparkplanern nicht nachhaltig revidiert werden. Es wurde eine weitere Informationsveranstaltung angekündigt, die über den Ortsbeirat organisiert werden soll. Hierzu muss noch erwähnt werden, dass grundsätzlich alle Bürger zu den öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung eingeladen sind und natürlich niemand eine persönliche Einladung erhält. Es obliegt also jedem Bürger, sich rechtzeitig kundig zu machen, um sich in diesen Prozess einzubringen und unsere Gemeindevertreter zu motivieren, im Sinne der Bürger zu handeln.

Dieser Beitrag gibt den Eindruck und die Meinung der Verfasserin wieder

 

 

LAST_UPDATED2
 

Zufallsbild

p8120811
p8120811p8120811

Empfehlung

Empfehlung

Wer ist online?

Wir haben 41 Gäste online

Anmeldung

Als Mitstreiter von Plan B kannst du dich hier mit deinen Zugangsdaten ins System einloggen. Hast du noch keine Zugangsdaten? Dann forder' sie bei dem Sprecher aus deiner Gruppierung an.
© 2012 Plan B & www.ConVertise.de
Kostenloses Joomla Template von funky-visions.de powered by greatnet.de Webhosting